KARIM SAAB
Keine Autoritäten

Unter den namhaften deutschen Schriftstellern, die von Gerhard Schröder am Samstagabend empfangen wurden, war kein faltenloses Gesicht. Das ist kein Zufall, nervt doch die meisten jüngeren Autoren die ewige Besserwisserei der Altgedienten. Wenn sich Günter Grass, Christa Wolf oder Stefan Heym in politischen Angelegenheiten zu Wort melden, hört ein großer Teil der deutschen Intellektuellen inzwischen bewusst weg. Doch Schröder hat Angst, dass die öffentliche Meinung wegen der Kriegsteilnahme kippt und sich gegen ihn wendet. Deshalb versucht er, die Tuchfühlung zu den Meinungsführern nicht zu verlieren. Doch wo und wer sind sie? Die jungen Autoren wollen nur noch gute Bücher schreiben und behaupten nicht, dass sie dem Kanzler Ratschläge erteilen können, die besser sind als die von Normalbürgern. Die Nation hat sich bisher keine neuen Klassensprecher gewählt, also ging der Bundeskanzler noch einmal auf die alten zu. Die lasen dem Enkel von Willy Brandt nun die Leviten. Glück für Schröder, dass die großen Namen nur noch wenig Autorität besitzen.