MELANIE KATZENBERGER
Feigenblatt

Die Jugendlichen in Zossen wollen ein Musikcafé. Das forderten sie bei der ersten Zossener Runde am Dienstagabend. Dass die Politiker der Stadt dafür Verständnis haben, ist löblich. Mit dem Treffen im Rathaus ist somit auch ein Dialog zwischen den Generationen angestoßen. Dass die beiden geladenen Jugendlichen im Laufe des Abends immer weniger zu Wort kamen, war sicher keine böse Absicht, ärgerlich ist es trotzdem. Und aberwitzig dazu. Es entbehrt nicht der Komik, wenn sich drei Erwachsene - Karola Andrae (Bürgerbündnis/FDP), Susanne Michler (CDU) und Joachim Zanow (SPD) - darüber streiten, was Jugendliche wollen und brauchen, ohne auf die Idee zu kommen, sie selbst zu fragen. Und das, obwohl sie ihnen gegenüber sitzen. Die Jugendlichen wurden somit zum bloßen Feigenblatt degradiert. Nicht über sondern mit ihnen hätten die Politiker reden sollen. Damit ist eine große Chance vertan.Vielleicht klappt es bei der nächsten Runde Anfang 2002. Dann werden auch mehr Jugendliche eingeladen. In der Gruppe können sie sich hoffentlich mehr Gehör verschaffen. Vielleicht finden dann auch Vertreter von PDS und Gewerbeverein ihren Weg ins Rathaus. Die glänzten diesmal noch mit Abwesenheit.