CHRISTIAN KRANZ
Tränen

Tränen flossen gestern zum Volkstrauertag auf dem Friedhof von Langen. Noch mehr als 56 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs trauern Menschen um den Verlust eines geliebten Mannes, Vaters oder Kindes.

Mit dem Krieg beschäftigte sich am Sonnabend auch die Kreissynode der Evangelischen Kirche. Sie verabschiedete eine Resolution gegen den Krieg in Afghanistan. Das Papier ist - zugegeben - vorsichtig gefasst, vielleicht gab es auch deshalb keine Gegenstimme.

Die Stimmung hat sich gewandelt, seit klar ist, was vielen vorher klar war: "Saubere chirurgische Schnitte" gegen Terroristen gibt es mit Flächenbombardements nicht und selbst High-Tech-Bomben verfehlen oft genug ihr Ziel. In Afghanistan sterben Frauen und alte Männer. Bombensplitter zerfetzen afghanische Kinder, die in ihren armseligen Hütten von einem New York noch nie etwas gehört haben. Alle, die Krieg für notwendig halten, nehmen auch diese unschuldigen Opfer in Kauf.

Dabei sollten wir uns gerade am Volkstrauertag erinnern können, wie es sich anfühlt, wenn das tote Kind auf dem Fernsehschirm nicht mehr "irgendein Asiate" ist, sondern unser eigenes Kind.