MATHIAS RICHTER
Frei und unbehelligt

Eine gute Idee, künftig weltweit Terroristen das Geld zu sperren. Sowohl die G-20 Gruppe, in der die Industrieländer sowie die mächtigsten Schwellenländer vertreten sind, als auch die 183 IWF-Staaten haben sich in Ottawa darauf verständigt, gemeinsam gegen Geldwäsche und die Finanzierung von Terrornetzen vorzugehen. Mehr als eine Willensbekundung ist das zwar noch nicht - aber immerhin. Der unbeteiligte Beobachter fragt sich allerdings, warum erst jetzt? Jahrelang wurde die Ausrede kultiviert, schärfere Kontrollen schadeten einem Finanzstandort. Kapital müsse frei und unbehelligt fließen können. Erst nach dem 11. September hat man offenbar begriffen, dass nicht jede Geldanlage den Wohlstand der Nationen mehrt. Die USA präsentierten sogar jüngst eine Liste verdächtiger Gesellschaften. Dumm nur, dass auf der die selben Kandidaten standen, vor denen die Uno schon seit Jahren warnt. Doch nach Ottawa soll ja alles anders werden. Die Staaten haben versprochen, im Zweifelsfall nicht mehr beide Augen zuzudrücken, wenn es um Standortvorteile geht - hoffentlich.