KERSTIN HENKEL
"Schmierentheater"

Er stänkert gerne. Gunnar Lade ist unbequem, das steht außer Frage. Doch diesmal ist das gut so. Als einziger Stadtverordneter zeigte er nämlich Courage am Montag in der Sitzung des Hauptausschusses, als es um die Abstimmung zum lang diskutierten Schulthema ging und eine klare Aussage gefordert war, die sonst offenbar niemand zu treffen wagte. Es scheint fast so, als wolle es sich kein Abgeordneter mit denen, die da von Entscheidungen betroffen sein könnten, verscherzen. Man mag es Gunnar Lade daher nicht verübeln, wenn er diese Szenerie als "Schmierentheater" bezeichnete. Fest steht doch: Kein Lehrer verliert seinen Job, kein Schüler wird schlechter unterrichtet als vorher. Wirklich betroffen könnten Erzieher und technisches Personal sein.

Gleichwohl sollte es neben wirtschaftlichen und Kapazitätsgründen um gute Schulkonzepte gehen. Wozu gibt es die, wenn sie unbeachtet bleiben bei derart wichtigen Entscheidungen? Da stellt sich die Frage, wer es hier wem recht machen will. Freilich, Außenstehende haben gut reden. Doch wer sich wählen lässt, sollte die Courage aufbringen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, ohne sich ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.