REYK GRUNOW
Spatz in der Hand

Rüdiger Kadatz hat seine Meinung zum Rheinsberger Thermalbad, und er will sie nicht in Frage stellen: Nach einem Jahr Verhandelns habe Rheinsbergs Favorit Rogner verspielt. Ein neuer Investor muss her, und den hatte Kadatz am Mittwochabend in der Stadtverordnetenversammlung parat - die Lielje-Gruppe. Dass die nur ein Bad, kein Hotel bauen will, interessierte Kadatz weniger. Auch nicht die letzten Gespräche mit Rogner. Neue Entwicklungen? Wozu noch? Für Kadatz war klar: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Eine verständliche Einstellung - wenn es denn einen Spatz gäbe.
Wenn man genauer hinsieht, halten die Rheinsberger vom zweiten Thermalbad-Bewerber nicht mehr in der Hand als vom ersten. Ein paar vage mündliche Finanzierungs-Versprechen, die Skizze des einzigen anderen Bades, das ist alles, was Lielje vorweisen kann. Eine echte Alternative sieht anders aus.
Doch immerhin bewegt sich etwas im Rheinsberger Thermalbad-Rennen. Rogner ist willig, Finanziers sind gefunden. Es wäre unverantwortlich, Rogner so kurz vor der Ziellinie die Luft aus den Reifen zu lassen. Am Ende steht Rheinsberg ohne Investor da. 