RALF SCHULER
Normal-Krise

Umweltminister Jürgen Trittin hat es erst gestern wieder unumwunden ausgesprochen: Die Krise ist bei den Grünen der Normalzustand. So schonungslose Offenheit ist an sich zwar bemerkenswert, sie beantwortet aber nicht die Frage, weshalb man eine "Krisenpartei" in der Bundesregierung braucht. Wenn die Vorzeichen nicht trügen, so könnte in Rostock in der Tat wieder einmal ein klassischer Kompromiss herauskommen - gegen den Militär-Einsatz und für die weitere Beteiligung an der Bundesregierung. Außenminister Joschka Fischer freilich darf seiner Basis solche politischen Kindereien nicht durchgehen lassen. Es kann nicht sein, dass die Basis gewissermaßen die Moral pachtet und ihn die realpolitische Schmutzarbeit machen lässt. Den Einsatz "zur Kenntnis zu nehmen", wie Brandenburgs Grüne dies wollen, ist der Gipfel parteipolitischer Bigotterie: Entweder die Basis stützt den Minister oder sie stürzt ihn. Dazwischen gibt es nichts.