GUDRUN SCHNECK
Die Wahrheit

Der Reichstagsbrand im Jahre 1933 und der Krieg in Afghanistan - sie scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Mancher mag gar erbost darüber sein, die Ereignisse in einem Atemzuge zu lesen.

Und doch: Was den Leuten damals über den Reichstagsbrand erzählt wurde, war Lüge. Können wir denn alles glauben, was uns heute über den Kampf gegen den Terrorismus in dem asisatischen Land gesagt wird? Dieser Krieg entzieht sich selbst Medienbeobachtern weitgehend. Was man nicht durch Augenschein nachprüfen kann, ist manipulierbar. Es kann so dargestellt werden, dass es den Interessen der Machthaber nutzt.

Die Botschaft der Autoren des am Samstag in Zossen aufgeführten Stücks "Eines Tages müssen wir die Wahrheit sagen" ist übertragbar auf die Gegenwart: "Seid sensibler und aufmerksamer, denn wir können nicht sicher sein . . ." Nein, wir können nicht sicher sein, dass man uns die Wahrheit sagt. Wir können nicht sicher sein, dass unsere Regierung im Sinne des Volkes handelt, auch wenn der Kanzler Amerika gegenüber die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands erklärt hat. In meinem Namen sprach er jedenfalls nicht.
