WOLFGANG HÖRMANN
Politiker

Auch Politik hat ihre Grenzen. "Ich kann mir zwar die Meinung von 220 000 Menschen in meinem Wahlkreis anhören, aber nicht jede Ansicht berücksichtigen", verteidigte sich Ernst Bahr am Montagabend. Es fiel auf, dass sich der SPD-Mann als Einziger aus dem Trio der Gesprächspartner Unmut zuzog. Lag es am klaren Bekenntnis zur Politik des Bundeskanzlers, am uneingeschränkten Verteidigen der Kosovo- und Mazedonien-Einsätze der Bundeswehr oder einfach daran, dass die etwa 60 Leute im Raum allzu kritikloses Bewerten der Regierenden zu erkennen glaubten? Wahrscheinlich machte es die Summe. Es förderte auch nicht unbedingt die Sympathien, als sich Bahr mit einem "auch ein Minister muss sich irren können" verbal vor Rudolf Scharping stellte. Es ging um das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide, das der einstige Kanzlerkandidat abschaffen wollte, wovon er als Verteidigungsminister heute nichts mehr wissen will.

Oder darf. Und da schließt sich der Kreis. Politik hat an Glaubwürdigkeit verloren. Natürlich gilt, was am Montag ebenfalls gesagt wurde: "Politiker sind auch nur Menschen." Nur haben sie im Gegensatz zu ihren Wählern Entscheidungen zu treffen. Menschliche.