ANGELIKA MIHAN
Knebelvertrag

Eigentlich können wir es nicht mehr sehen: Harry-Potter-Tassen, Potter T-Shirts, kleine Potter-Legomännchen und so weiter. Und nun folgt gleich das zweite Mega-Kinoereignis: "Der Herr der Ringe". Bereits in jedem siebten Kinderüberraschungsei findet sich ein Frodo oder eine Elbenkönigin. Da boomt die Industrie gewaltig, mag man so denken und die gebeutelten Kinos bekommen auch noch einen dicken Batzen ab. Aber was macht ein Lichtspieltheaterchef in der Provinz, der erst abends seine Pforten öffnen kann? Um Harry Potter spielen zu können, muss er sich verpflichten, die Kopie an sieben Tagen dreimal hintereinander zu zeigen. Egal wie viele Zuschauer kommen. Das hat viele Kinobesitzer empört. Wenn sie jetzt wieder einen Knebelvertrag beim "Herrn der Ringe" unterschreiben sollen, erwägt so mancher, sich dem einfach zu verweigern. Außerdem wird man sich nicht nur in katholischen Gegenden kaum zwingen lassen, Heiligabend und Silvester das Fantasiespektakel abzuspielen. Der Verleih Warner Bros muss sich schon etwas anderes einfallen lassen.