VOLKMAR KRAUSE
Eigentlich fehlt ja keiner...

Von spektakulären Ausbrüchen aus den Gefängnissen ist Justizminister Schelter bislang verschont geblieben. Für seine Amtszeit verbucht die Justizchronik nun aber einen Vorgang der besonderen Art. Die Haftanstalt in Spremberg hat am Dienstag einen Häftling freigelassen, der gar nicht zur Entlassung anstand. Schlicht durch eine Namensverwechslung konnte der verurteilte Dieb das Gefängnistor passieren. Seither ist er verschwunden. Gefährlich sei er nicht, beeilte sich das Justizministerium gestern mitzuteilen, aber - klar doch - in die Freiheit gehört er auch noch nicht. Der Minister muss sich natürlich fragen lassen, was in Spremberg los ist. Da bekommt einer Entlassungspapiere, nur weil er zufällig den selben Nachnamen wie ein Mitgefangener trägt. Und hätte die Frau des eigentlich zu Entlassenden nicht nachgefragt, wo ihr Mann eigentlich bleibt, wäre der falsche Abgänger vielleicht noch immer nicht aufgefallen. In Spremberg verfahren die Wärter offenbar nach der einfachen Rechnung: Hauptsache die Gesamtzahl stimmt, wenn abends zugeschlossen wird.