EKKEHARD FREYTAG
Zwiespältig

Christian Gildes Wiederwahl als Landrat war ein Erfolg. Doch was dieser wirklich wert ist, zeigt sich erst im Tagesgeschäft. Und das weiß Gilde auch: Schon bei der ersten Personalie vertraut er nicht auf seine Macht; er sucht den Kompromiss.

Es geht um den Job des Vize-Landrats, des zweitmächtigs ten Mannes der Kreisverwaltung. Bislang ist das Klaus-Peter Appel. Geht es nach Gilde, bliebe das so. Doch fragt er sich, ob der Kreistag das genauso sieht. Deshalb signalisiert er vorab, dass er durchaus einen anderen als seinen Lieblingskandidaten zur Wahl im Kreistag vorschlagen würde. Das ist eine zwiespältige Entscheidung.

Einerseits ist es vernünftig. Im Falle einer Abstimmungs-Niederlage würde er ebenso wie sein Kandidat beschädigt. Zudem ist es schlau, Kritiker ins Boot zu holen.

Andererseits begibt sich Gilde damit in die Hände des Krei stags. Und der könnte Gefallen daran finden, ihm einen unbequemen Aufpasser an die Seite zu stellen. Oder, was weitaus unangenehmer wäre, einen ehrgeizigen Konkurrenten, der Gilde - möglichst schnell - beerben will. Der Landrat hat die Wahl gewonnen, doch sich auf seinen Lorbeeren ausruhen - das kann er nicht.