JÜRGEN LAUTERBACH
Sündensuche im Hinterhof

Bekanntlich ist Vertrauen gut und Kontrolle besser. Manchmal hilft es aber auch, mit dem Bürger einfach zu reden. Das hatte die Bauaufsicht nicht getan, als sie ihren unbegründeten Baustopp-Bescheid gegen einen Grundbesitzer abschickte. Statt dessen stiefelte ein Mitarbeiter auf das Grundstück, knipste, was ihm verdächtig vorkam und löste dann den bürokratischen Gang der Dinge aus. Ein Anruf oder eine kurze Nachforschung hätte den Sachverhalt aufklären können: Dass das Hinterhofgebäude zwar reichlich baubedürftig aussieht, dort aber seit der Wende kein Handschlag mehr getan wurde, folglich gar keine Baustelle existiert, die gestoppt werden könnte. Nun gut, Fehler kommen vor und die Bauaufsicht hat den Bescheid inzwischen zurückgenommen. Doch es geht um mehr als einen Einzelfall. Die Bauverwaltung ist personell offenbar so gut ausgestattet, dass es sich ihre Mitarbeiter leisten können, auf der Suche nach Bausündern systematisch alle Straßen und Hinterhöfe zu durchkämmen. Natürlich sind Kontrollen notwendig. Viele Bürger hätten aber mehr davon, wenn in den Amtsstuben etwas mehr Vertrauen waltete und die überschüssige Kraft in die schnelle Bearbeitung von Bauanträgen gesteckt würde.