KARIN MARKERT
Ein Fels

Es war sicher nicht die letzte Lobpreisung für Hans-Joachim Giersberg. Doch dürfte ihm die Ehrenbürgerwürde, die ihm Potsdam gestern verlieh, wertvoller sein als mancher Preis, der da noch kommen mag. Ist es doch die Anerkennung dafür, dass der frühere Generaldirektor der Schlösserstiftung nicht allein von der Sorge um die anvertrauten Kunstschätze getrieben war, sondern von der Vision einer Stadt, die durch diese Kunst lebt.

So stand Giersberg nicht nur wie der Fels in der Brandung, als die Kommerzialisierungswogen an die Schlossmauern schlugen. Sein stilles, aber nachhaltiges Eintreten für die Qualitäten der Kulturlandschaft außerhalb seiner Gärten, allzuoft als Sichtachsen-Fetischismus benörgelt, hat dazu beigetragen, die Landeshauptstadt als Gesamtkunstwerk erfahrbar zu machen. Dafür hat ihm Potsdam zu danken.

Mit seinem Ja zu den Schlössernächten übersprang er am Ende sogar den Schatten des nur ängstlichen Bewahrers, als der er lange galt. Dennoch endet mit Giersberg eine Ära. Sein Nachfolger wird nicht allein am Kunstsinn gemessen werden, er wird mehr von dem haben müssen, was Giersberg lästig war: Sinn für das Geld - und damit für alle "niederen" Bedürfnisse. 