MARLIES SCHNAIBEL
Engelsgedanken

Als Franz Fühmann vor fast zwei Jahrzehnten sein Essay über Georg Trakls Dichtung schrieb, gab er ihm den Titel "Vor Feuerschlünden". Auch im Westen fand das Buch aus dem Rostocker Hinstorff-Verlag viel Beachtung. Bloß den Titel wollte man nicht übernehmen, der sei zu sperrig. Der Westleser bekam das Buch schließlich als "Der Sturz des Engels" serviert.

Engel verkaufen sich einfach besser, hieß es. Und so heißt es noch heute, vor allem in der Weihnachtszeit. Ob feenhaft schön oder pausbäckig barock - wir mögen sie alle. Selbst ein gefallener Engel kann sicher sein, noch auf einer Woge der Sympathie zu schweben. So ist es kein Wunder, wenn wir beim Blick ins Telefonbuch in den größeren Städten der Region keinen einzigen Teufel finden, aber Engel 21-mal in Hennigsdorf, 13-mal in Oranienburg, zwölfmal in Falkensee und sechsmal in Nauen.

Die Engel bleiben die wunderbaren Boten, die Musen und Heilsbringer. Wenn Werbestrategen die Himmelsscharen als Verkäufer für Handys, Abführpillen und Aktienpapiere oder als Blickfang für Erotikmessen missbrauchen, müssen wir ihnen ja nicht glauben. Wir können uns unsere eigenen Gedanken machen. 