RALF SCHULER
K-Frage

Angenommen, nur mal angenommen, der CDU-Landesvorsitzende S. im Land B. hätte sich für Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten der Union entschieden. Nehmen wir weiter an, dass die CDU-Basis im Bundesland B. eher ihrer Parteichefin Angela Merkel zuneigt, dürfte Landeschef S. dann guten Gewissens im CDU-Bundesvorstand für Stoiber votieren? Alles nur Gedankenspiele. Niemand wagt sich bislang aus der Deckung. Tatsächlich ist die Kür des Kanzlerkandidaten so streng geheim, dass sie nur unter dem Code-Wort "K-Frage" gehandelt wird. Bei Lichte und mit dem nötigen Ernst betrachtet, gibt es bei den Spitzenkandidaturen ein Legitimationsproblem. Mitglieder-Entscheide haben schon oft - siehe Berliner SPD - den falschen Frontmann auf den Schild gehoben. Kungelrunden gehen bewusst an der Basis vorbei. Die Lösung des Problems ist ebenso schlicht wie anspruchsvoll: unbezweifelbare, überzeugende Autorität.