ULRICH WANGEMANN
Einsteins Lorbeeren

Unter den vielen Lobreden wäre gestern am neuen Hauptsitz des Instituts für Klimafolgenforschung fast die Tatsache in Vergessenheit geraten, dass dessen Direktor Schellnhuber kürzlich um ein Haar ins Ausland abgewandert wäre.
 Dass er doch geblieben ist, hat vordergründig mit mehr Geld fürs Institut zu tun: Wieso Spitzenforscher aus aller Welt in Potsdam arbeiten wollen, erklärt das alleine nicht.
 Die Stadt hat was. Aber was? Legendäre Wissenschaftstempel wie das astrophysikalische Institut haben Tradition und Flair - das treibt dem ehemaligen AIP-Direktor Hasinger die Gänsehaut in den Nacken. Die Nähe zur Landesregierung ist ein Standortvorteil, wie das Tauziehen um Schellnhuber beweist. Und kaum eine Region Deutschlands hat ein derart dichtes Netz von kooperierenden Wissenschaftseinrichtungen zu bieten - der Erfolg des interdisziplinären Helmholtz-Instituts für die Schulung an Supercomputern spricht Bände.
 Nun kommt es darauf an, sich nicht auf Einsteins Lorbeeren auszuruhen. Denn weiche Standortfaktoren allein reichen nicht aus. Brandenburg muss endlich die rote Laterne in der Wissenschaftsförderung abgeben.