ROLAND KAMENZ
Uneinsichtig

Im Streit um die fragwürdige Spendenpraxis der stadteigenen Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (KWR) schlugen gestern Abend im Stadtparlament die Wogen erneut hoch. Die eigentlich sachlich zu führende Auseinandersetzung um die Parteispenden von KWR-Chef Richter an Bürgermeister Lünsers Politverein Pro Rathenow wird zunehmend emotionaler.

Knapp einen Monat nach Ausbruch der Rathenower Parteispendenaffäre scheint sich nunmehr aber wenigstens der Gedanke durchzusetzen, die Spenden als moralisch nicht akzeptabel zu werten. Nachdem nach langem Zögern auch die CDU-Fraktion sich dieser Auffassung anschloss und Bürgermeister Lünser damit von der Fahne wich, hat das Umdenken nun auch in Teilen von Pro Rathenow eingesetzt. Als erster seiner Fraktion sprach gestern der Abgeordnete Otto Timm von einem Fehler. Während Timm mit diesem Verhalten Pro Rathenow helfen dürfte, nimmt das Verhalten von Bürgermeister Lünser langsam groteske Züge an. Als Legitimation für die Spenden will er nun Belege vorlegen, dass in Potsdam kommunale Betriebe jahrelang Parteien sponserten. Für Einsicht in Unrecht spricht auch das erneut nicht.