BERT WITTKE
Ä(E)hrenvoll

Während der vergangenen Monate - und das gilt auch für die Wochenenden - waren sie selten daheim anzutreffen, die Landwirte und Wiedereinrichter. In der Erntezeit wird eben jede Schönwetterstunde bis zur letzten Minute ausgenutzt. Ganz gleich, ob Ähren vom Halm oder Kartoffeln aus dem Boden zu holen sind. Und auch, wenn nicht alle Blütenträume gereift sind, zeigen sich die Landwirte nicht unzufrieden. "Da", so heißt es in diesen Tagen, "haben wir schon ganz andere Jahre erlebt."

Wer die Arbeit dieser Frauen und Männer übers Jahr verfolgt, versteht, warum sie sich trotz vieler Mühen das Erntefest nie entgehen lassen. Es ist nicht nur ein alter Brauch. Es ist zugleich eine Bühne, auf der sich mit berechtigtem Stolz ausrufen lässt: Seht her, was Mensch, Tier und Technik der Natur abgerungen haben. Und die Freude in den Gesichtern der Leute, die Handwagen ziehen, Pferdegespanne führen oder Erntemaschinen lenken, ist mindestens genau so groß wie der Ehrgeiz, mit dem sie sich im kommenden Jahr wieder in die Arbeit stürzen.

Irre ich mich, oder werden es von Jahr zu Jahr mehr Menschen, die dem lustigen Landvolk winken und applaudieren? Recht so! Ä(E)hre, wem Ä(E)hre gebührt. R 19