RAINER PLAGEMANN
Am Wasser

Dass die "Platte" nicht so schlecht ist wie ihr Ruf, hat ja schon das Zentrum Ost bewiesen. Gerade eben feierten dort Anwohner die Wiederherstellung ihres - noch immer namenlosen - Stadtplatzes, schon trifft man sich auch am Kiewitt zum Bürgerfest. 30 Jahre zählt das Neubauwohngebiet, und etwa jeder dritte Kiewitter ist von Anfang an dabei. Was die Menschen hier hält, ist durchaus nicht nur die Unlust, die oft kleinen Räume im Alter noch gegen größere zu tauschen. Vielmehr gibt es hier Wohnungen am Wasser, die man auch nach Sanierung heute noch bezahlen kann. Für die treuen Kiezbewohner sind daher Überlegungen schwer nachvollziehbar, die Hochhäuser abzustocken oder gar ganz zu schleifen.

Nur in der Berliner Vorstadt wohnen vergleichbar viele Leute so nah an der Havel, doch seien es die hohen Auflagen von Denkmalpflegern, sei es der Drang nach Maximalgewinn bei den neuen Eigentümern: Wegen hoher Mieten weichen große Teile der Stammbevölkerung den besser Verdienenden. Am Kiewitt dagegen pflegt man Bodenständigkeit: Die Platte hat sich inwendig erneuert und äußerlich Farbe aufgelegt. Nun sollte man im Umfeld nachziehen - die Treuhand mit der Ufergaststätte etwa.