RALF SCHULER
Augenschein

Die US-Regierung macht dieser Tage Druck auf Fernsehstationen, Video-Ansprachen Osama bin Ladens gar nicht mehr oder nur stark gekürzt zu senden. Das ist natürlich ein Eingriff in die Pressefreiheit und doch ist nicht auszuschließen, dass versteckte Botschaften zum "Aufwecken" so genannter "Schläfer" darin verborgen sind. Eine westliche Journalistengruppe besucht auf Einladung der Taliban ein zerstörtes Dorf in Afghanistan. Ein authentischer Ortstermin und doch wissen die Berichterstatter nicht wirklich, was sie da mit eigenen Augen sehen: Was war bereits zerstört? Wer hat es zerstört? Und zu wessen Werkzeug werden ihre Reportagen am Ende? Allzu präzise Treffer-Bilder aus Washington machen ebenso stutzig wie verblüffend rasche Meldungen aus dem afghanischen Chaos über hohe Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung. Bei Nachrichten aus nur einer Quelle verhält es sich dieser Tage wie mit den Lotto-Zahlen: Es gibt keine Gewähr.