RALF SCHULER
Am Boden

Die Nachrichtenlage ist unsicher. Aus taktischen Gründen und um ihre Soldaten zu schützen, äußern sich die USA nicht zu Berichten über den Beginn der Boden-Operation in Afghanistan. Experten gehen jedoch davon aus, dass Spezialkräfte längst am Hindukusch aktiv sind. Gestützt wird diese These durch Angriffe auf Ziele in den afghanischen Bergen, die wohl nur durch Aufklärung am Boden zu treffen waren. Auch erscheint nach dem Erringen der Lufthoheit über dem verwüsteten Land weiter andauerndes Bombardement kaum sinnvoll. Dass der Beginn von begrenzten Boden-Operationen im Westen vielerorts erwartet wird, hat aber auch andere Ursachen: Es wäre ein Zeichen dafür, dass der Zerstörung gegnerischer Einrichtungen nun ein gezielter Einsatz gegen die Terror-Netzwerke folgt. Denn eines ist klar: Die Militärschläge der USA verlieren mit jedem Tag weiteren Bombardements schleichend an Glaubwürdigkeit. Mit flächenhafter Zerstörung sind weder die Taliban noch bin Laden zu treffen. Sollte der Luftkrieg als bloße Drohkulisse gedacht gewesen sein, verlöre er spätestens mit dem einsetzenden Winter und der unausbleiblichen humanitären Katastrophe seine Legitimation. Und die USA ihren Rückhalt in Westeuropa.