JUTTA ABROMEIT
Einmalig

Unvorstellbar, aber wahr: Eine Medizinerin lässt ihre Patienten, ihr Personal und die Kassenärztliche Vereinigung völlig im Unklaren. Niemand weiß, warum sie nicht kommt, wer sie vertritt, wann oder ob sie wiederkommt. Ein solcher Fall wie in Ludwigsfelde sei ihm in den sieben Jahren, die er jetzt Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg ist, "noch nicht bekannt geworden", sagt Ralf Herre.

Mediziner stehen im Land nicht Schlange, um sich niederzulassen. 132 allgemeinärztliche und 60 fachärztliche Praxen könnten noch besetzt werden. Das hat ganz sicher damit zu tun, dass in Brandenburg die niedrigsten Arzthonorare der ganzen Bundesrepublik gezahlt werden. Doch das, was sich bei 3600 Praxen im Land in dieser einen Praxis in Ludwigsfelde abspielt, das geht rein menschlich nicht. Weder in der Familie noch unter Kollegen oder Freunden lässt man Leute einfach stehen. Abgesehen vom Verfahren über den Zulassungsentzug und davon, dass eine nicht anwesende Ärztin nicht helfen kann - ohne Verabredungen einzuhalten steht auch eine noch so gute Medizinerin auf dem Abstellgleis. Und Sprechzeiten sind für Patienten und Personal eine solche feste Verabredung.