GASTKOMMENTAR: STEPHAN PHILIPP, SCHULPFARRER
Unverständlicher Streit um Religion

Eine Kollegin meinte kürzlich: "Bei uns an der Schule ist das doch zum Glück kein Problem mehr! Unsere Schüler können ja frei wählen zwischen LER und Religion." Leider musste ich sie eines Schlechteren belehren: Der Gesetzgeber hinkt dieser Wirklichkeit weit hinterher. Und nun scheint sogar unsere Landesregierung entschlossen, diese (scheinbare!) Gleichbehandlung der beiden Fächer endgültig zu beseitigen. Stolpe, Reiche & Co. sagen zwar Ja zu einem möglichen Kompromissangebot aus Karlsruhe, dekretieren aber: Einen Wahlpflichtbereich LER / Religion kann es nicht geben. Wer versteht da noch Debatte und dahinter stehende Interessen?

Die Schulpolitik in Brandenburg scheint zur Spielwiese für profilierungssüchtige Politiker zu verkommen. Statt für eine solide finanzierte, langfristige Bildungspolitik zu sorgen, die ruhiges Arbeiten erlaubt und sich an Bedürfnissen orientiert, wird hektisch auf jeden Trend reagiert: Medienoffensive, Schnellläuferklassen, Zentralabitur ... Demokratische Prozesse von unten werden nicht abgewartet.

Leidtragende sind die Lehrer und Schüler. LER- und Religionslehrer haben sich mit persönlichem Einsatz weitergebildet, um ihr Fach unterrichten zu können - und die Regierung schiebt die Anerkennung einer sich bewährenden Praxis hinaus. Man muss ihr unterstellen, kein Interesse am kirchlichen Mitwirken in der Schule zu haben. Dabei sollte sie alle begrüßen, die zur qualifizierten Mitarbeit in dieser Problemzone unserer Gesellschaft bereit sind.