RALF SCHULER
Riesenstaatsmann

Alles hängt wieder einmal mit allem zusammen. Der Kanzler gibt seinen Berliner Genossen den entscheidenden Fingerzeig in Richtung rot-gelb-grüner Ampel-Koalition, weil er sich die Liberalen als möglichen Koalitionspartner für die Bundestagswahl im kommenden Jahr warmhalten möchte. Und FDP-Luftikus Jürgen W. Möllemann bereist seinerseits schon jetzt eifrig den Nahen Osten, um für diesen Fall gerüstet zu sein und sich als neuer liberaler Außenminister zu empfehlen. "Riesenstaatsmann Mümmelmann", wie Franz-Josef Strauß den schnauzbärtigen Fallschirmspringer aus Münster einmal titulierte, ist auch schon voll im Geschäft und wird nicht müde, Israels Politik der "präventiven Liquidierungen" als "Staatsterrorismus" zu geißeln. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sollte diese Methode der Hinrichtungen auf Verdacht in der Tat besser nicht Schule machen, doch ist ein Möchtegern-Chefdiplomat womöglich besser beraten, nicht schon vor Amtsantritt verbrannte Erde ausgerechnet in Israel zu hinterlassen. Das mit Glück und einigem Geschick von Außenminister Joschka Fischer erarbeitete Gewicht Deutschlands in der Krisenregion sollte auch ein Oppositionspolitiker nicht leichtfertig verspielen.