RALF SCHULER
Vielleicht geht's gut

Einen Reim konnten sich auch die Außen- und Sicherheitsexperten in Berlin gestern auf die Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nicht machen. Im Außenamt zog man sich nach einiger Bedenkzeit auf die bekannte Formel zurück, wonach Wortmeldungen von Bündnispartnern nicht kommentiert werden. Und auch in den Fraktionen des Bundestags herrschte Ratlosigkeit. Rumsfeld, der von Anfang an als Hardliner innerhalb der US-Regierung in Erscheinung trat, habe wohl klarmachen wollen, dass es sich um einen längeren Feldzug handeln werde, hieß es vage. Sicher sei allenfalls, dass die "harten Fakten" dieses Krieges gewiss nicht in der Öffentlichkeit diskutiert würden. Was auch immer das im Einzelnen heißen mag. Betrachtet man die Äußerungen im Kontext des geradezu naiv anmutenden Eingeständnisses des Washingtoner Stabes, man sei verblüfft über die Hartnäckigkeit des Taliban-Widerstands, so schleichen sich unwillkürlich Zweifel an der realistischen Kalkulation des Afghanistan-Einsatzes ein. Weder motivieren solche Einlassungen die eigenen Soldaten, noch fördern sie den Zusammenhalt im Bündnis.