VOLKMAR KLEIN
Posse um Bosse

Kichern und Prusten auf dem Fraktionsgestühl. Zurecht, denn was der Oberbürgermeister den Stadtverordneten gestern bot, war eine konsequent inszenierte Posse. Freilich braucht man für derbe Späße ein Opfer. Finanzstadtrat Bosse hatte vor Wochen aus der Zeitung erfahren müssen, dass er im Sommer 2002 zugunsten eines CDU-Kandidaten in die Wüste geschickt wird. Gestern nun lobte ihn sein Chef als "alten Fahrensmann" und erklärte dem Publikum wortreich, warum schon im Januar ein Nachfolger bestellt sein muss: Nicht etwa, weil die Regierungsabsprache mit den Christdemokraten soeben perfekt war; davon kein Wort. Nein, der Neue könne schon mal seinen Umzug nach Potsdam vorbereiten, die Kinderlein umschulen, das Aufgabenfeld ansehen... Alle spielten die Stegreifkomödie mit. Der Preis für die schönste Pointe geht wieder einmal an CDU-Fraktionschef Kapuste: Auch Bosse bekomme nun schließlich mehr persönliche Planungssicherheit.

Nur das Opferlamm schmiss seine Rolle. Der Noch-Beigeordnete reichte das Manuskript seiner Haushaltsrede aus. Es ist mit einer Karikatur verziert: Matthias Platzeck trägt das Transparent "Unverschuldet in Not geraten".