ANDREAS STREIM
Wichtige Botschaft

Lange hat sich die Europäische Zentralbank gesträubt. Doch gestern hat sie auf die schwache Konjunktur mit einer kräftigen Leitzinssenkung um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent reagiert. Auch wenn sich EZB-Chef Wim Duisenberg weiter weigert, das böse R-Wort "Rezession"in den Mund zu nehmen - dass die Weltwirtschaft in eine schwere Krise rutscht, bestreitet niemand mehr. Fraglich ist aber, ob niedrige Zinsen und damit billigeres Geld für mehr Investitionen und Konsum und so für den erhofften raschen Aufschwung sorgen. Die Verunsicherung von Verbrauchern und Unternehmern ist seit dem 11. September weniger ökonomisch als psychologisch begründet. Außerdem wirkt Geldpolitik erfahrungsgemäß erst nach einem Jahr. Die wichtigste Botschaft der Zinsentscheidung ist deshalb eine andere: Die Währungshüter haben ihren Teil getan, jetzt können die Politiker nicht mehr die Verantwortung abschieben, sondern müssen selbst mit ihren Mitteln aktiv werden.